Der Neujahrsempfang des Düsseldorfer Airports gilt traditionell als Seismograf für die strategische Ausrichtung des größten Flughafens in Nordrhein-Westfalen. Auch in diesem Jahr nutzte das Geschäftsführungsduo Lars Redeligx und Pradeep Pinakatt die Bühne, um vor rund 900 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Kurs zu halten – und zugleich deutlich zu machen, wo es aus ihrer Sicht Rückenwind braucht.

Mit mehr als 21 Millionen Passagieren verzeichnete der Flughafen im vergangenen Jahr die höchste Auslastung seit der Corona-Pandemie. Neue Airlines, zusätzliche Destinationen und ein weiter ausgebautes Streckennetz im Sommerflugplan 2025 stärkten die internationale Anbindung des Standorts. In den verkehrsstarken Sommermonaten lief der Betrieb stabil, auch wenn die Herbstferien erneut zeigten, wie sensibel das System bleibt. Zusätzliche Nachkontrollen aufgrund behördlicher Vorgaben belasteten die Abläufe spürbar.

„Unser Ziel, zu den besten Flughäfen in Europa mit bis zu 30 Millionen Passagieren zu gehören, erreichen wir nicht per Autopilot“, machten Redeligx und Pinakatt unmissverständlich klar. Zugleich verwiesen sie auf das seit 2023 laufende Qualitätsprogramm „Off-Block“, das laut Geschäftsführung „in jedem Jahr mess- und spürbare Fortschritte bei Abfertigung und Passagiererlebnis gebracht hat“.

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller unterstrich die Bedeutung des Airports für Stadt und Region. Der Flughafen sei „weit mehr als Infrastruktur“, sondern ein zentraler Standortfaktor. Seine Leistungsfähigkeit entscheide darüber, „wie international, wie attraktiv und wie wettbewerbsfähig Düsseldorf ist“. Gerade im Bereich Mobilität sei Verlässlichkeit ein entscheidender Vertrauensfaktor.

Sicherheit, Steuern, Standortbedingungen

Ein Schwerpunkt des Abends lag auf den politischen Rahmenbedingungen. Pradeep Pinakatt erneuerte den Appell, moderne CT-Technik an den Sicherheitskontrollen zügig auszubauen. „Deshalb begrüßen und unterstützen wir die Initiative der Bundespolizei, kurzfristig weitere CT-Geräte am Standort zum Einsatz zu bringen“, sagte Pinakatt. Gleichzeitig machte er klar, dass der Flughafen auf Unterstützung aus Berlin angewiesen sei: „Der Einsatz modernster Sicherheitstechnik am größten Flughafen in NRW sollte für alle Beteiligten eine Top-Priorität sein.“

Foto: Frederic Scheidemann / Flughafen Düsseldorf

Lars Redeligx nahm die angekündigte Rücknahme der letzten Erhöhung der Luftverkehrssteuer zwar positiv auf, bezeichnete sie jedoch nur als ersten Schritt. „Von zwei Milliarden Euro Zusatzbelastung des deutschen Luftverkehrs im Vergleich zum europäischen Durchschnitt verbleiben mit der jetzt beschlossenen Absenkung immer noch 1,6 Milliarden“, sagte Redeligx. Es brauche weitere Entlastungen bei Steuern und Gebühren sowie einen konsequenten Bürokratieabbau, damit Airlines ihre Flugzeuge nicht vorrangig im Ausland stationierten.

In einem weiter gefassten politischen Kontext ordnete Redeligx die Rolle des Luftverkehrs auch geopolitisch ein. „Wir leben in herausfordernden Zeiten“, sagte er mit Blick auf globale Spannungen und Machtverschiebungen. Mobilität sei dabei mehr als ein ökonomischer Faktor: „Wenn man an das Nachkriegseuropa denkt, dann entsteht Frieden nicht nur durch Verträge und Handelsabkommen, sondern auch durch Mobilität. Durch Kontakte und Austausch.“ Luftverkehr halte Gesprächskanäle offen – „und das heißt für uns: Jetzt erst recht.“

Smartes Wachstum statt Ausbau

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern, hat der Flughafen im Dezember einen Anpassungsantrag im laufenden Planfeststellungsverfahren eingereicht. Beide Geschäftsführer betonten, was dieser Antrag ausdrücklich nicht vorsieht: keine neue Start- und Landebahn, kein zusätzliches Terminal. Stattdessen gehe es darum, die vorhandene Infrastruktur „innerhalb der heute genehmigten Kapazität besser und flexibler zu nutzen“. Ziel sei ein „smartes Wachstum“, das Betrieb, Umweltschutz und Anwohnerschutz miteinander in Einklang bringe und rund 20.000 Arbeitsplätze sichere.

Investitionen ins Erlebnis – und in Nachhaltigkeit

Parallel treibt der Airport seine Investitionen ins Passagiererlebnis voran. Die Hugo Junkers Lounge und die VIP-Lounge werden umfassend modernisiert und sollen ab Frühjahr 2026 mit mehr Sitzplätzen, neuen Ruhe- und Kommunikationszonen sowie einer Terrasse mit Blick aufs Vorfeld öffnen. Auch im Ankunftsbereich setzt der Flughafen neue Akzente – unter anderem mit Echtzeit-Informationen zur Gepäckausgabe auf hochauflösenden XXL-Displays. Zusätzlich fließt ein zweistelliger Millionenbetrag in die Modernisierung von mehr als der Hälfte aller Sanitäranlagen.

Ein zentrales Zukunftsthema bleibt die nachhaltige Entwicklung des Standorts. Im ersten Halbjahr 2026 geht eine neue Photovoltaikanlage in Betrieb, die sich über rund 20 Fußballfelder erstreckt und mit 40.000 Modulen mehr als 15 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen soll. Ebenfalls in diesem Zeitraum bezieht die Flughafenfeuerwehr ihre neue, nachhaltig konzipierte Feuerwache. Zudem schreiten die Planungen für ein neues Tanklager voran, das die stärkere Nutzung nachhaltiger Flugkraftstoffe ermöglichen und perspektivisch auch eine Anbindung an die Schiene schaffen soll.

Flughafen als Teil der Stadt

Trotz aller Zahlen, Programme und Investitionsprojekte setzte der Abend auch bewusst emotionale Akzente. Der Claim „Weil DUS liebst“ steht für das Selbstverständnis des Flughafens als Teil der Stadt und der Region – und für die Menschen, die dort arbeiten, reisen oder leben. Bei einer Verlosung für den guten Zweck konnten Gäste besondere Einblicke in den Flughafenalltag gewinnen, etwa einen Besuch im Tower oder eine Schicht mit den Enteisern. Der Erlös von 10.000 Euro kommt drei sozialen Projekten in Düsseldorf zugute.

Der Neujahrsempfang machte damit vor allem eines deutlich: Der Düsseldorfer Airport sieht sich gut aufgestellt – erwartet aber zugleich klare, verlässliche Rahmenbedingungen, um seinen Anspruch als internationaler Wirtschafts- und Mobilitätsknotenpunkt weiter einzulösen.

Fotos: © Flughafen Düsseldorf/Frederic Scheidemann