Von Jürgen Matthes / Samina Sultan / Galina Kolev-Schaefer 
Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Donald Trump hat ein neues Zollpaket vorgestellt, die Zeichen stehen auf Handelskrieg. Dieser würde Deutschland schwer treffen, zeigen neue Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die EU sollte besonnen reagieren – aber mit der nötigen Härte.

20 Prozent Zölle auf fast alle Waren aus der EU: Das ist die bittere Nachricht, die von Donald Trumps „Liberation Day“ übrigbleibt. Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm. Eine IW-Schätzung, die die neuen Zusatzzölle für die wichtigsten US-Handelspartner im Modell von Oxford Economics simuliert, zeigt: Der kumulierte wirtschaftliche Schaden für die Bundesrepublik könnte über die vierjährige Amtszeit Trumps rund 200 Milliarden Euro betragen, für die EU etwa 750 Milliarden Euro. Das deutsche BIP läge im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle.

Zölle schaden Trumps eigenen Wählern

Für Deutschland ist der Zoll von 20 Prozent eine ökonomische Katastrophe. Dass die Höhe des Zolls an den Haaren herbeigezogen ist, macht es nicht besser: Deren Höhe begründete Trump gestern unter anderem mit der Mehrwertsteuer. Dabei benachteiligt diese US-Unternehmen gar nicht, schließlich gilt sie auch für europäische Unternehmen. Im Weißen Haus regiert die ökonomische Willkür – dass steigende Preise gerade die einkommensschwachen Trump-Wähler ärmer machen, scheint dem US-Präsidenten egal zu sein.

Die EU muss nun besonnen, aber aus einer Position der Stärke reagieren. Sie tritt jetzt in eine neue Phase des Handelsstreits ein. Bislang ging es darum, Trump mit Angeboten etwa bei Flüssiggas oder Rüstungsgütern zu locken. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass die Europäische Kommission ihre Waffen zeigt und ebenfalls eine Drohkulisse aufbaut. 

Sind Zölle auf Dienstleistungen die Lösung?

Doch wo ansetzen? Ein Problem: Im Warenhandel hat die EU gegenüber den USA einen Überschuss von 157 Milliarden Euro im Jahr 2023 – bei einem umfassenden Zollkrieg im Warenhandel würden die Europäer deshalb den Kürzeren ziehen. Anders sieht es bei Dienstleistungen aus: Hier verzeichnet die EU laut Eurostat ein Defizit von knapp 109 Milliarden Euro – die USA wären also verwundbar.

Vor allem in einer Kategorie kann die EU der US-Wirtschaft schaden: Bei den Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum hatte sie 2023 ein Defizit von 125 Milliarden Euro. Gemäß amerikanischer Daten handelt es sich dabei zu drei Viertel um Zahlungen von Tochterfirmen in der EU an ihren US-Mutterkonzern. Strafmaßnahmen würden daher kaum europäische Firmen treffen. Allerdings wäre ein solcher Schritt handelspolitisches Neuland. Es wäre genauer zu prüfen, welche Folgen solche Gegenmaßnahmen für die europäische Wirtschaft hätten.

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